Geschichte

Eröffnung der Hafengaststätte “Zum Goldenen Anker“ im Jahre 1891

Das Haus Langenstraße 38a war früher eine ärmliche Bude. Um 1700 gehörte die Bude, die laut einer alten Beschreibung “außerhalb der Stadtmauer auf der Straße zur Holzbrücke“ lag, Melcher Bloth, der sie an den Schiffer Jacob Behrmann für 20 Taler vermietet hatte. Der Zustand des Hauses muss erbärmlich gewesen sein. Damals schrieb ein Vermesser, dass die Bude “nur für solches Volk, wie hier jetzt wohnend, dienliche Wohnung“ ist. Im 18. Jahrhundert und in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts waren hauptsächlich Bierträger Eigentümer des Hauses. Es gehörte zu dieser Zeit zum Kronswinkel und trug die Nr. 10.

1878, mittlerweile besaß Kaufmann Wilhelm Zander das Haus, wurde wahrscheinlich die Eingangstür des Eckhauses an die Längsseite verlegt. So gelangte das Haus zur Langenstraße und erhielt die Nr. 38a. Bis zum Jahre 1891 befand sich hier ein Bäcker. Im Frühjahr 1891 wurden im Erdgeschoss bauliche Veränderungen vorgenommen und das Haus noch um ein Stockwerk erhöht. Nach Beendigung der Bauarbeiten eröffnete Gastwirt Giertz in der Langenstraße 38a eine Gaststätte mit “Logis“, die er “Zum Goldenen Anker“ nannte. Zudem betrieb er einen kleinen Laden mit alkoholischen Getränken. 1894 wurde das “Gästezimmer“ durch die Hinzunahme eines Teiles des Flures und des bisherigen Ladens vergrößert. Gleichzeitig gelangte der Hauseingang wieder auf die Seite zur Straße Kronswinkel.

Im Jahre 1912 erwarb Albert Last das “Gast- und Logierhaus“ von August Grohmann. Er erhielt zunächst aber nicht die Erlaubnis “zum Betreiben der Gaststätte“, weil die zuständige Behörde meinte, dass es in der näheren Umgebung schon genug Schankwirtschaften gäbe und für eine weitere kein Bedürfnis vorliege. Albert Last gab aber nicht auf und klagte vor dem Stadtausschuss. Er könne die Meinung der Behörde nicht teilen. Die Gaststätte sei über Jahre hinweg “mit gutem Erfolge“ geführt worden. Zu den Gästen gehöre “vorzugsweise das Schifffahrt treibende Publikum“. Auch sei es vom Langentore aus … die erste Logierwirtschaft“. Die zweite, “Knaak“, sei sehr klein, Ohlberg liege 200 Meter und Zeeck 350 Meter entfernt. Zudem hätten die beiden letzteren Gaststätten ein vollkommen anderes Publikum. Die Mitglieder des Stadtausschusses ließen sich überzeugen und im Januar 1913 erhielt Albert Last die Konzession. Sein Name und der der Gaststätte stehen immer noch an der Hauswand.

Im Frühjahr 1937 übernahm Karl Gess den “Goldenen Anker“. Dazu erschien in der Pommerschen Zeitung am 1.April 1937 folgende Anzeige: “Zum Goldenen Anker. Der Einwohnerschaft von Stralsund und dem Reisepublikum zur Kenntnis, dass ich mit dem heutigen Tage die Gaststätte Zum Goldenen Anker übernommen habe. Nach gründlicher Erneuerung aller Räume werde ich am Sonnabend, den 3.April, den Goldenen Anker wieder eröffnen. Ich bitte mein Unternehmen, das ich fachmännisch und streng solide führen werde, durch regen Besuch zu unterstützen“. Und im Briefkopf für die Geschäftspost stand: “Gut gepflegte Getränke. Preiswerte Küche. Fremdenzimmer mit und ohne Pension. Übernachtungen von 1.50 an“. Auch nach dem Krieg war die Popularität der Gaststätte sehr groß; sie gehörte einfach zu Stralsund wie das schöne Rathaus und die großen Kirchen. Sogar eine Operette spielte dort, die 1949 mit großem Erfolg über viele deutsche Bühnen ging.
1996 schlossen sich endgültig die Türen der traditionsreichen Gaststätte “Zum Goldenen Anker“.

Dr. A. Neumerkel

Im Oktober 2008 erwarb der Immobilienkaufmann Jan Heinrich das bis dahin 12 Jahre leerstehende und dem Zerfall Preis gegebenen Haus. Im Dezember 2008 begannen die umfassenden Sanierungsarbeiten, welche zum Teil Erhaltung der alten Substanz sowie das Erschließen neuer Flächen beinhaltete. Im historischen Gebäude entstanden nach alter Tradition wieder Ferienunterkünfte für Urlauber und Geschäftsreisende. Seit Juni 2009 erstrahlt das Gästehaus wieder in neuem Glanz.

Ferienwohnungen “Zum Goldenen Anker“ – Ein Haus mit Tradition!